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Google Shopping nach dem DMA-Umbau: Die Zahlen nach sechs Wochen

Google Shopping nach dem DMA-Umbau: Die Zahlen nach sechs Wochen

Sechs Wochen nach dem Umbau der Google-Suche in der EU: Wie oft die neue Vergleichsbox erscheint, wer darin oben steht und was Händler jetzt tun sollten.

Stand: 27. Oktober 2026

Mitte September haben wir beschrieben, was mit Google Shopping in der EU passiert ist: Die organischen Produkt-Raster sind verschwunden, an ihre Stelle ist eine Box mit Vergleichsdiensten getreten. Den Artikel dazu findest du hier: Google Shopping ist nicht verschwunden. Die Fläche gehört jetzt den Vergleichsdiensten.

Damals gab es vor allem Screenshots und erste Eindrücke. Sechs Wochen später liegen erstmals Messungen vor, die über Einzelbeobachtungen hinausgehen: eine Auswertung von über zehn Millionen Suchergebnissen, Googles eigene Dokumentation, eine erste Aussage der EU-Kommission und Zahlen von Vergleichsdiensten. Dieser Artikel ordnet sie ein. Wir trennen dabei durchgehend zwischen dem, was belegt ist, und dem, was unsere Einschätzung ist.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Die alte Fläche ist praktisch vollständig weg. Die organischen Produkt-Karussells sind laut dem Tracking-Anbieter Productrise in Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Schweden um 90 bis 100 Prozent eingebrochen. Außerhalb des EWR hat sich nichts verändert.

  • Die neue Vergleichsbox ist selten, aber gezielt platziert. Auf google.de erscheint sie laut SISTRIX in 5,9 Prozent aller Suchergebnisse, bei Suchen mit Kaufabsicht aber in 19,2 Prozent, und dann meist weit oben.

  • Der häufigste Anbieter in der Box ist Google selbst. In Deutschland steht Google Shopping in 17,5 Prozent der Boxen aufgeklappt auf Platz 1 und in fast vier von fünf Boxen irgendwo darin.

  • Dahinter stehen nicht nur die bekannten Preisvergleiche. In Deutschland folgen Testberichte.de und CodeCheck vor idealo. In Frankreich, Spanien, Italien und den Niederlanden stehen direkt hinter Google CSS-Anbieter wie Shoparize und Bigshopper.

  • Der Zugang ist geregelt, die Reihenfolge nicht. Google verlangt eine Zulassung als Vertical Search Service und Produktdaten über das CSS Center. Wer oben steht, entscheidet Google nach Relevanz und Qualität.

  • Die EU-Kommission hat noch nicht entschieden, ob das reicht. Am 20. Oktober nannte Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera im Europäischen Parlament kein Datum für eine Bewertung.

  • Die bezahlten Shopping Ads sind unverändert. Für die bezahlte Fläche liegt seit Juni ein Vorschlag namens Box-to-Box auf dem Tisch. Entschieden ist er nicht. Für Händler und Agenturen ist das die Frage mit der größten Tragweite.

Was seit Mitte September passiert ist

  • 8. September 2026: Google veröffentlicht in der Search-Central-Dokumentation eine Übersicht zu regionalen Unterschieden der Suche, darunter die Aggregator Unit für Vergleichsdienste und die Supplier Unit für Direktanbieter. Gegenüber Reuters bezeichnet Google die Umstellung als den größten Qualitätsverlust in der 29-jährigen Geschichte seiner Suche.

  • 8. September 2026: Zwölf europäische Vergleichsdienste, die sich als CSS Group bezeichnen und nach eigenen Angaben über 93.000 Händler vertreten, warnen die Kommission in einem offenen Brief vor einem Modell für die bezahlte Fläche, das Händler zurück zu Google Shopping drängen könnte.

  • Mitte September 2026: Die organischen Produkt-Karussells verschwinden innerhalb weniger Tage aus der Suche im EWR. Am 18. September bestätigt Googles Ads Liaison Ginny Marvin, dass die Änderung auf den Digital Markets Act zurückgeht.

  • 18. September 2026: Google erweitert Aggregator Unit und Supplier Unit auf Suchanfragen nach lokalen Unternehmen.

  • Um den 21. September 2026: Die 60-Tage-Frist aus der Kommissionsentscheidung vom 23. Juli läuft ab.

  • 14. Oktober 2026: SISTRIX veröffentlicht die erste große Auswertung der neuen Box über 10,8 Millionen Suchergebnisse aus sieben EU-Ländern, aktualisiert am 22. Oktober.

  • 20. Oktober 2026: In der Fragestunde des Europäischen Parlaments sagt Teresa Ribera, die Kommission prüfe Googles Vorschläge und wolle auch andere Marktteilnehmer anhören. Einen Termin für eine Entscheidung nennt sie nicht.

Was verschwunden ist, und was die Zahl wirklich misst

Belegt: Productrise, ein niederländischer Anbieter für das Tracking organischer Shopping-Ergebnisse, beobachtet täglich Tausende kommerzielle Suchanfragen. Vor der Umstellung lösten rund 85 Prozent davon mindestens ein organisches Produkt-Karussell aus. Mitte September brach dieser Anteil in Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Schweden innerhalb weniger Tage um 90 bis 100 Prozent ein. In Großbritannien, den USA und Australien blieb er unverändert. Die Daten von Semrush zeigen für die betroffenen Länder dasselbe Bild.

Wichtig ist, was diese Zahl misst: den Anteil der Suchanfragen, auf denen ein Karussell erscheint. Sie misst nicht den Traffic-Verlust einzelner Händler. Der fällt geringer aus, weil die organische Reichweite im Merchant Center mehrere Flächen umfasst, etwa Produkt-Knowledge-Panels, die Bildersuche oder Lens. In den von uns betreuten Merchant Centern lag der Rückgang der organischen Impressionen und Klicks in den ersten Tagen nach der Umstellung in der Größenordnung von gut 20 Prozent.

Ein Fallstrick bei Vorher-nachher-Vergleichen: Google hat am 24. August 2026 die Klicks aus YouTube-Affiliate-Verlinkungen aus dem organischen Traffic im Merchant Center herausgelöst und die Zahlen rückwirkend bis zum 1. Juli neu berechnet. Wer Zeiträume vor und nach der DMA-Umstellung vergleicht, sollte sicherstellen, dass beide Fenster nach derselben Logik berichtet werden. Sonst wird ein Berichtseffekt als Marktverlust gelesen.

Die neue Vergleichsbox in Zahlen

Die bislang umfassendste Messung stammt von SISTRIX. Ausgewertet wurden alle Smartphone-Suchergebnisse, die zwischen dem 7. und 14. Oktober 2026 neu erhoben wurden: 10,8 Millionen Suchergebnisse aus Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Polen, den Niederlanden und Schweden. Österreich ist nicht enthalten.

Wie oft die Box erscheint

Die Box gibt es nur im Europäischen Wirtschaftsraum. In Großbritannien, der Schweiz und den USA taucht sie in den Daten kein einziges Mal auf. In Deutschland steht sie in 5,9 Prozent aller Suchergebnisse, in den übrigen Ländern zwischen 3,1 Prozent in Schweden und 6,6 Prozent in den Niederlanden.

Entscheidend ist die Suchabsicht. Bei Suchen mit Kaufabsicht erscheint die Box in Deutschland in 19,2 Prozent der Ergebnisse, bei Informationssuchen in 1,0 Prozent. Das Suchvolumen spielt dagegen kaum eine Rolle: Vom Nischenbegriff bis zum Keyword mit mehr als 10.000 monatlichen Suchen liegt der Anteil zwischen 5,1 und 6,0 Prozent. Wenn die Box erscheint, steht sie im Median als viertes Element der Ergebnisseite, in knapp der Hälfte der Fälle unter den ersten drei.

Wer in der Box steht

Direkt sichtbar sind bis zu drei Anbieter. Der oberste ist mit Produkten und Preisen aufgeklappt, weitere liegen hinter “Weitere Produkte”. In Deutschland tauchen 51 verschiedene Anbieter auf. So verteilen sich die wichtigsten:

Anbieter

Platz 1 (aufgeklappt)

Unter den ersten drei

Google Shopping

17,5 %

47,5 %

Testberichte.de

10,2 %

30,5 %

CodeCheck

9,8 %

29,3 %

idealo

5,6 %

15,7 %

billiger.de

k. A.

11,9 %

Geizhals

k. A.

7,2 %

Quelle: SISTRIX, google.de, Smartphone, 7. bis 14. Oktober 2026. “k. A.” heißt, dass SISTRIX für diesen Anbieter keinen Wert für Platz 1 ausweist.

Google Shopping steht in Deutschland in 79,7 Prozent aller Boxen irgendwo in der Liste. In anderen Ländern ist der Abstand noch größer: In Schweden steht Google Shopping in 37,8 Prozent der Boxen auf Platz 1 und in 88,9 Prozent unter den ersten drei, in Italien in 32,2 und 79,0 Prozent, in Spanien in 31,4 und 78,6 Prozent. Direkt dahinter folgen in Frankreich, Spanien, Italien und den Niederlanden keine nationalen Preisvergleiche, sondern Shoparize oder Bigshopper. idealo steht in Italien in 25,8 Prozent der Boxen unter den ersten drei, in Frankreich in 20,6 und in Spanien in 18,6 Prozent.

Was die Zahlen bedeuten

1. Die Abhilfe verweist am häufigsten auf Google

Belegt: Ausgerechnet die Box, mit der Google auf eine DMA-Strafe wegen Selbstbevorzugung reagiert, zeigt am häufigsten Googles eigenen Vergleichsdienst, und zwar auch am häufigsten ganz oben.

Unsere Einschätzung: Das wird der Kern der Bewertung durch die Kommission und der Beschwerden der Vergleichsdienste. Formal ist Google eine Box unter mehreren. Ob ein Anbieter, der in fast jeder zweiten deutschen Box unter den ersten drei steht, gleich behandelt wird, lässt sich aus den Daten allein nicht beantworten. Es hängt davon ab, ob Google seinen eigenen Dienst nach denselben Kriterien bewertet wie alle anderen. Das kann die Kommission prüfen, Außenstehende können es nicht.

2. Wer unter die ersten drei kommt, kommt auch nach oben

Belegt: Laut SISTRIX landet ein Anbieter, der unter den ersten drei steht, in rund einem Drittel der Fälle auf Platz 1. Das gilt für Google Shopping genauso wie für Testberichte.de oder idealo.

Unsere Einschätzung: Beim aufgeklappten Platz selbst zeigt sich damit keine systematische Bevorzugung. Googles Vorsprung entsteht davor, bei der Frage, wie oft ein Dienst überhaupt unter die sichtbaren drei kommt. Hier spielt die Breite des Inventars eine Rolle: Ein Dienst mit Angeboten für fast jedes Produkt ist für fast jede Suche relevant.

3. Inhalt schlägt reine Preislisten

Belegt: In Deutschland stehen Testberichte.de und CodeCheck deutlich häufiger oben als idealo, billiger.de oder Geizhals. Testberichte.de bündelt Produkttests, CodeCheck liefert Produkt- und Inhaltsstoffinformationen.

Unsere Einschätzung: Das passt zu Googles eigenen Empfehlungen für die Aggregator Unit. Google nennt dort ausführliche Beschreibungen und Spezifikationen, verifizierte Bewertungen, präzise Titel, hochwertige Bilder sowie aktuelle Preise und Verfügbarkeiten. Produktseiten mit echtem Inhalt haben offenbar bessere Chancen als Seiten, die nur Angebote auflisten.

4. Auch CSS-Anbieter ohne große Verbrauchermarke schaffen es in die Box

Belegt: In vier der sieben gemessenen Länder stehen direkt hinter Google CSS-Anbieter wie Shoparize und Bigshopper, die Händler bisher vor allem als Partner für Shopping Ads kennen. Shoparize gibt an, dass sich die Klicks auf seine CSS-Produktseiten seit Beginn der Umstellung in 21 EU-Märkten ungefähr verdreifacht haben. Diese Zahl stammt vom Anbieter selbst und ist nicht unabhängig überprüft.

Unsere Einschätzung: Die Box ist kein geschlossener Kreis der großen nationalen Preisvergleiche. Ein CSS mit eigenen, gepflegten Produktseiten kann dort auftauchen. Das ist die Logik, die wir schon im ersten Artikel für Nischenprodukte und Markensuchen beschrieben haben.

5. Klein im Durchschnitt, groß an der richtigen Stelle

5,9 Prozent aller Suchergebnisse klingen nach wenig. Für Händler zählt aber der Anteil bei Suchen mit Kaufabsicht, und der liegt bei fast einem Fünftel, meist weit oben auf der Seite. Die Box sitzt genau dort, wo vorher das Produkt-Karussell kaufbereite Nutzer direkt in die Shops geleitet hat.

Wie man in die Box kommt: was Google dokumentiert hat

Im ersten Artikel haben wir die neue Fläche als SEO-Fläche beschrieben. Mit Googles Dokumentation lässt sich das präzisieren: Der Zugang läuft über Zulassung und Daten, die Reihenfolge über Relevanz und Qualität.

Belegt, laut Googles Dokumentation zur Aggregator Unit:

  • Teilnehmen können nur Unternehmen, die als Vertical Search Service zugelassen sind. Dazu zählen Vergleichsdienste, Online-Reisebüros, Metasuchmaschinen und Verzeichnisse.

  • Für Produktanfragen läuft der Antrag über das Kontaktformular für Comparison Shopping Services. Die Produktseiten werden über das CSS Center eingereicht und dort für die Anzeige in Google freigeschaltet.

  • Pro Suche erscheint immer nur eine Aggregator Unit. Der am höchsten bewertete Anbieter ist standardmäßig aufgeklappt, Nutzer können zu anderen Anbietern wechseln.

  • Ein Klick in der Box führt auf die Seite des jeweiligen Vergleichsdienstes, nicht direkt in einen Shop.

  • Google beschreibt die Auswahl so, dass gezeigt wird, was für die jeweilige Suche am hilfreichsten ist, und verweist auf seine Richtlinien zur Suchqualität. Konkrete Ranking-Kriterien nennt Google nicht.

Im CSS Center kann ein Vergleichsdienst außerdem festlegen, welche seiner eigenen Produktseiten bevorzugt werden sollen. Welcher Dienst gegenüber anderen Diensten oben steht, liegt dagegen bei Google.

Was das für Händler heißt: Ein einzelner Shop kann sich nicht selbst für eine Zeile in der Box bewerben. Seine Produkte erscheinen dort nur über Vergleichsdienste, die sie auf ihren Produktseiten führen, oder über ein eigenes CSS. Den Klick bekommt in beiden Fällen zuerst die Vergleichsseite.

Was Shops ohne Vergleichsdienst bleibt

Zwei Flächen hat Google für Direktanbieter dokumentiert. Beide hängen an der eigenen Website, nicht am Merchant Center.

  • Supplier Unit: Eine eigene Einheit für Direktanbieter, die neben der Aggregator Unit erscheint, aber nur dann, wenn auch eine Aggregator Unit angezeigt wird. Sie wird aus gecrawlten Inhalten befüllt und zeigt nach bisherigen Beobachtungen aus dem Markt keine Live-Preise.

  • Strukturierte Daten-Karussells (Beta): Für Produktsuchen im EWR kann eine Website ein eigenes horizontales Karussell erhalten. Voraussetzung ist eine Übersichts- oder Kategorieseite mit ItemList-Markup und Product-Markup für mindestens drei Produkte, die jeweils auf eigene Detailseiten derselben Domain verlinken. Google bietet dafür zusätzlich ein Interessenformular an.

Unsere Einschätzung: Für die meisten Shops ist das Kategorie-Karussell der am meisten unterschätzte Hebel. Es kostet keine Klickgebühr, gehört vollständig dem Shop und ist technisch überschaubar.

Was rechtlich und regulatorisch offen ist

Die Kommission prüft noch

Belegt: Die Frist aus der Entscheidung vom 23. Juli ist abgelaufen, eine Bewertung der Kommission gibt es nicht. In der Fragestunde des Europäischen Parlaments am 20. Oktober erklärte Teresa Ribera, man prüfe Googles Vorschläge und wolle die Sicht anderer Marktteilnehmer einholen. Ein Datum nannte sie nicht. Hält die Kommission die Umsetzung für unzureichend, drohen Zwangsgelder von bis zu 5 Prozent des durchschnittlichen weltweiten Tagesumsatzes.

Die bezahlte Fläche ist die eigentliche offene Frage

Belegt: Die Kommission hatte bereits im Juli festgehalten, dass Google Änderungen an der Darstellung der Shopping Ads vorgeschlagen und zu testen begonnen hat. Im Juni 2026 hat Google CSS-Anbietern einen Vorschlag namens Box-to-Box vorgelegt: Vergleichsdienste würden pro Suchanfrage um die gesamte Anzeigenfläche konkurrieren, und der Gewinner bestimmt, was darin erscheint. Ob das Modell kommt, ist nicht bestätigt, und die Kommission hat sich dazu nicht geäußert.

Die CSS Group fordert in ihrem Brief vom 8. September, dass Google Shopping in jeder Box mitbieten muss, auch in denen der Wettbewerber. Ihre Sorge: Bleibt Googles eigene Box für das Inventar anderer Vergleichsdienste geschlossen, hätten Händler kaum eine andere Wahl, als wieder direkt über Google Shopping zu werben.

Unsere Einschätzung: Für Händler und Agenturen hängt an dieser Frage deutlich mehr als an der organischen Box. Die bezahlte Fläche ist derzeit der einzige Weg, der aus der Produktsuche ohne Zwischenstation in den Shop führt. Wie sie umgebaut wird, entscheidet darüber, welche Rolle das eigene CSS künftig spielt. Wir rechnen nicht damit, dass sich daran vor dem Weihnachtsgeschäft etwas ändert. Belegt ist das nicht.

Parallel läuft ein Verfahren in London

Belegt: Vor dem britischen Competition Appeal Tribunal klagen Kelkoo und Ciao auf Schadensersatz wegen der Bevorzugung von Google Shopping. Ihr Argument: Die heutige Shopping-Box sei weiterhin Googles eigener Vergleichsdienst, auch wenn andere Dienste darin auftauchen. Konkurrierende Dienste sollten stattdessen um die gesamte Box konkurrieren können. Foundem hat seine parallele Klage per Vergleich beendet. Wann das Gericht entscheidet, ist offen.

Wer gewinnt, wer verliert

Unsere Einschätzung auf Basis der bisherigen Daten:

  • Verlierer: Shops, die einen großen Teil ihres Traffics über kostenlose Produkteinträge bekamen, besonders kleinere Händler ohne Werbebudget. Sie haben den direkten, kostenlosen Weg aus der Produktsuche in den Shop verloren.

  • Gewinner: Google Shopping als häufigster Anbieter in der neuen Box. Vergleichs- und Testseiten mit inhaltsstarken Produktseiten. CSS-Anbieter mit eigenen, gepflegten Produktseiten.

  • Unter Druck: die bezahlte Fläche. Die Nachfrage, die vorher teilweise über kostenlose Einträge bedient wurde, existiert weiter. Wir erwarten mehr Wettbewerb in den Shopping-Auktionen und damit Druck auf die Klickpreise, gerade vor Black Friday. Belastbare Zahlen dazu gibt es noch nicht.

Was jetzt zu tun ist

Für Shops

Miss sauber, bevor du entscheidest. Vergleiche die organischen Klicks im Merchant Center nach Land, und zwar mit Zeitfenstern, die nach derselben Berichtslogik erhoben wurden. Nimm den Bericht zu Händlereinträgen in der Search Console dazu. Die Betroffenheit ist von Konto zu Konto sehr unterschiedlich.

Mach deine Kategorieseiten karussellfähig. ItemList- und Product-Markup auf Kategorieseiten ist der direkteste Weg zu einer eigenen, kostenlosen Produktfläche im EWR. Prüfe die Umsetzung mit dem URL-Prüftool der Search Console.

Halte Produktdaten und strukturierte Daten konsistent. Shopping Ads, Googles eigene Zeile in der Box und die Vergleichsdienste arbeiten mit denselben Produktdaten. Fehler kosten jetzt auf mehreren Flächen gleichzeitig.

Ersetze verlorenen Gratis-Traffic nicht stillschweigend durch Budget. Wenn deine Shopping-Kampagnen mehr ausgeben, prüfe, ob du Klicks kaufst, die du vorher kostenlos bekommen hast, oder ob tatsächlich neue Nachfrage dazukommt.

Wechsle nicht hektisch den Vergleichsdienst. Ob deine Produkte in der Box erscheinen, hängt davon ab, ob ein Vergleichsdienst sie auf eigenen Produktseiten führt, die Google dort zeigt. Die bloße Verknüpfung deines Merchant Center mit einem CSS sorgt dafür nicht automatisch. Ein zusätzlicher Vergleichsdienst ist eine kaufmännische Entscheidung über einen weiteren Kanal und sollte auch so gerechnet werden.

Für Agenturen

Trenne im Reporting organisch und bezahlt. Dashboards, die beides zu einer Shopping-Kennzahl zusammenfassen, zeigen seit Mitte September einen Einbruch, der wie ein Kampagnenproblem aussieht und keines ist.

Beobachte die Box für die wichtigsten Suchanfragen deiner Kunden. Welche Dienste stehen dort, und wer ist aufgeklappt? Das ist die Grundlage für jede Entscheidung über zusätzliche Vergleichsdienste.

Nutze eigene CSS-Produktseiten dort, wo sie realistisch sind. Ein CSS kann eigene Produktseiten über das CSS Center für die Anzeige in Google freischalten. Sinnvoll ist das vor allem für Nischensortimente sowie Marken- und Modellsuchen, und nur für Produkte mit mindestens zwei darstellbaren Angeboten, zugeordnet etwa über die GTIN. Mit Label Up kannst du ein eigenes, gebrandetes CSS mit solchen Produktseiten betreiben.

Bereite dich auf Änderungen an der bezahlten Fläche vor. Kommt Box-to-Box oder ein ähnliches Modell, wird die Wahl des CSS zur strategischen Frage. Setups mit mehreren CSS lassen sich dann schneller anpassen. Wie das in der Auktion funktioniert, haben wir im Artikel zur Double CSS Strategy beschrieben.

Häufige Fragen

Sind die kostenlosen Google-Shopping-Einträge in der EU endgültig weg? Aus der normalen Google-Suche im EWR sind die organischen Produkt-Karussells weitgehend verschwunden, Messungen zeigen Rückgänge von 90 bis 100 Prozent. Ob Google später ein anderes, DMA-konformes Format einführt, ist offen. Organische Reichweite über andere Flächen wie die Bildersuche bleibt bestehen.

Wie oft erscheint die neue Vergleichsbox? Laut SISTRIX in Deutschland in 5,9 Prozent aller Suchergebnisse und in 19,2 Prozent der Suchen mit Kaufabsicht. In den anderen gemessenen EU-Ländern liegt der Anteil zwischen 3,1 und 6,6 Prozent.

Wer steht in der Vergleichsbox am häufigsten oben? Google Shopping. In Deutschland steht es in 17,5 Prozent der Boxen aufgeklappt auf Platz 1, gefolgt von Testberichte.de, CodeCheck und idealo.

Kann ich mich als Shop direkt für die Vergleichsbox bewerben? Nein. Die Aggregator Unit steht nur zugelassenen Vertical Search Services offen, bei Produkten also Comparison Shopping Services mit eigenen Produktseiten. Shops erscheinen dort über Vergleichsdienste, die ihre Produkte führen, oder über ein eigenes CSS.

Was ist die Supplier Unit? Eine Einheit für Direktanbieter wie Shops und Marken, die neben der Vergleichsbox erscheint. Sie wird nur angezeigt, wenn auch eine Vergleichsbox angezeigt wird, und speist sich aus gecrawlten Inhalten der Website.

Betrifft die Änderung Österreich und die Schweiz? Österreich ja, es gehört zum EWR. Die Schweiz nicht: SISTRIX hat dort keine einzige Vergleichsbox gefunden, ebenso wenig in Großbritannien und den USA.

Sind Google Shopping Ads betroffen? Bisher nicht. Die bezahlten Shopping Ads laufen unverändert. Die Kommission beanstandet die bezahlte Fläche aber mit derselben Begründung, und Google hat mit Box-to-Box bereits einen Umbau vorgeschlagen.

Hat die EU-Kommission die neue Box akzeptiert? Nein, eine Bewertung steht aus. Teresa Ribera hat am 20. Oktober kein Datum dafür genannt.

Lohnt es sich jetzt, zu einem großen Preisvergleich zu wechseln? Nicht als Reaktion auf die Box. Preisvergleichsportale wie idealo befüllen ihre Seiten über eigene Händlerverträge, nicht über das Merchant Center, und der Klick landet zuerst auf deren Seite. Das kann sich lohnen, ist aber eine eigene kaufmännische Entscheidung.

Methodik und Einordnung

Woher die Zahlen stammen. Die Daten zur Häufigkeit und Besetzung der Vergleichsbox stammen von SISTRIX (Smartphone, 7. bis 14. Oktober 2026, 10,8 Millionen Suchergebnisse aus sieben EU-Ländern). Die Daten zum Wegfall der Produkt-Karussells stammen von Productrise. Angaben von Vergleichsdiensten zu ihren eigenen Klickzahlen sind als solche gekennzeichnet und nicht unabhängig überprüft.

Was wir nicht wissen. Für Österreich gibt es noch keine vergleichbare Messung. Desktop-Ergebnisse können abweichen. Wie Google die Reihenfolge der Anbieter in der Box festlegt, ist nicht dokumentiert.

Was Einschätzung ist. Als solche gekennzeichnet sind die Bewertung der Rolle von Google Shopping in der Box, die Erwartung zur bezahlten Fläche und zum Zeitpunkt möglicher Änderungen sowie die Einordnung von Gewinnern und Verlierern. Alles Übrige ist mit den unten genannten Quellen belegt.

Quellen

  • SISTRIX: Googles EU-Vergleichsbox: Der häufigste Anbieter ist Google selbst, 14. Oktober 2026, aktualisiert 22. Oktober 2026. sistrix.de

  • Google Search Central: Aggregator unit in Google Search. developers.google.com

  • Google Search Central: Supplier unit in Google Search. developers.google.com

  • Google Search Central: Structured data carousels (beta). developers.google.com

  • Google CSS Center Hilfe: How to start showing your product pages across Google. support.google.com

  • Productrise: Google’s product carousels are disappearing from search in the EEA. productrise.app

  • Search Engine Roundtable: Google Search Drops Free Product Listings From European Economic Area, September 2026. seroundtable.com

  • Search Engine Roundtable: Google Says EU DMA Changes Resulted In Largest Reduction In Search Quality, 8. September 2026. seroundtable.com

  • Europäische Kommission: Pressemitteilung IP/26/1670 vom 23. Juli 2026. ec.europa.eu

  • EU Perspectives: Google handed in its homework. Brussels has yet to mark it, 22. Oktober 2026. euperspectives.eu

  • PPC Land: Google shopping box would push 93,000 merchants back to Google, rivals warn, September 2026. ppc.land

  • PPC Land: Explaining free listings (Berichtsänderung im Merchant Center vom 24. August 2026). ppc.land

  • Shoparize: The EU vs Google Shopping: the Digital Markets Act case explained, 24. September 2026. shoparize.com

  • Courthouse News Service: Google’s shopping fix hits a snag in London damages trial, 27. Juli 2026. courthousenews.com

  • Label Up: Google Shopping ist nicht verschwunden. Die Fläche gehört jetzt den Vergleichsdiensten, 14. September 2026. labelup.io

About

Label Up ist ein Tech-Anbieter aus Wien, der Agenturen und Shops mit eigenem Google Shopping CSS und smarter Label-basierter Optimierung zu besseren Ergebnissen verhilft.

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